FondsDISCOUNT.at: Sie haben in diesem Jahr ihre eigene Fondsboutique „Capitulum Asset Management“ gegründet. Davor waren Sie viele Jahre erfolgreich als Portfoliomanager bei der LBB-Invest respektive Deka Vermögensmanagement. Was hat Sie zu diesem Schritt in die Selbstständigkeit veranlasst?


Lutz Röhmeyer: Die Gründung eines unabhängigen Asset Managers war der nächste Schritt, um die bisherige Erfolgsstory der Verwaltung verschiedener Zinsstrategien für institutionelle und private Anleger nicht nur zu bewahren, sondern auch kontinuierlich weiterzuentwickeln. Der damalige Zeitpunkt ergab sich im Zusammenhang mit der vollständigen Integration der LBB-Invest und der von uns verwalteten Fonds in die Organisation der Dekabank. So gelang es uns, die notwendigen Freiheiten in der täglichen Arbeit des Portfoliomanagements zu garantieren und natürlich unserer Heimatstadt Berlin treu zu bleiben.


 


Sie führen „Ihren“ seit 2010 überaus erfolgreichen Investmentansatz des Capitulum Weltzins-Invest Universal (ISIN: DE000A2H7NV9) fort. Innerhalt kürzester Zeit haben Sie mit dem Fonds bei der Capitulum bereits die 100 Millionen Euro Asset under Management überschritten. Wie schaffen Sie es in Niedrigzinszeiten mit einer Rentenstrategie bei den Anlegern so beliebt zu sein?


Anleihen in lokalen Währungen, denn diese bilden das Investmentuniversum des Capitulum Weltzins-Invest Universal, haben sich in den letzten Jahren als eigene Assetklasse mit einem sehr guten Risiko-/Ertragsverhältnis in vielen Portfolien von privaten und institutionellen Anlegern etabliert. Nicht zuletzt natürlich auch deshalb, weil das Zinsniveau in der Eurozone extrem niedrig ist und wohl auch in nächster Zeit nicht signifikant steigen wird. Unser Anlagekonzept weicht dann noch einmal stark von den meisten anderen ab, da wir auf allen Ebenen sehr breit diversifizieren und dabei aktiv von den gängigen Benchmarks abweichen. Dieser bewährten Investmentphilosophie verbunden mit unserem hohen Serviceanspruch schenken viele Anleger ihr Vertrauen.


 


In welchen Regionen liegen die Investmentschwerpunkte?


Wir sind ein global agierender Investor, haben aber sicherlich einen Schwerpunkt auf den Anleihen, die einen Bezug zu den Schwellenländern haben. Das kann sowohl bei dem Aussteller der Papiere der Fall sein, oftmals aber auch nur durch die Währung, in die die erworbene Anleihe lautet. Wir meiden eher die ausgetretenen Pfade der Standard-Rentenmärkte wie deutsche Staatsanleihen oder Pfandbriefe.


 


Auf welchen Ratingklassen liegt Ihr Fokus? Investieren Sie auch unterhalb von Investmentgrade?


Grundsätzlich wollen wir uns in unseren Investitionsentscheidungen alle Freiheiten lassen, um im Sinne unserer Anleger die günstigsten Anleihen zu erwerben. Insbesondere beim Konzept des Capitulum Weltzins-Invest Universal versuchen wir jedoch, unnötige Bonitätsrisiken der Anleihe-Emittenten wenn möglich zu vermeiden. Da die Ablaufrendite aus den hohen natürlichen Zinsniveaus der lokalen Anleihemärkte generiert wird, konzentrieren wir uns auf Anleihen mit guten bis sehr guten Ratings. Durch die Fokussierung auf supranationale Aussteller wie Förderbanken liegt die durchschnittliche Bonität der im Fonds gehaltenen Anleihen bei A, was deutlich über dem Niveau vergleichbarer Fonds liegt.


 


Wie sieht der Auswahlprozess im Speziellen aus?


Unser Anlageuniversum umfasst derzeit weltweit etwa 80 lokale Anleihemärkte, die die notwendige Stabilität aufweisen und passende Anleihen am Markt haben oder kontinuierlich neu begeben. Die Größe und Handelbarkeit der einzelnen lokalen Rentenmärkte bestimmen dann die Gewichtung im Capitulum Weltzins-Invest Universal. Optimal wäre eine Gleichgewichtung, was aber ob der oben genannten Gegebenheiten nicht möglich ist. Im zweiten Schritt wählen wir die Anleihen aus, die in der Relative-Value-Analyse am besten abschneiden. Grundsätzlich bevorzugen wir aber Papiere mit kürzeren Restlaufzeiten.


 


Bei den Emerging Markets liegt die Stimmung ständig zwischen unglaublicher Euphorie und absoluten Pessimismus. Wo liegt die Wahrheit?


Die Stimmung 2018 ist eindeutig schlechter als die robuste und damit besonders für Schwellenländer förderliche globale Wirtschaftslage, was vor allem auf die negativen Schlagzeilen in Zusammenhang mit Argentinien und der Türkei zurückzuführen ist. Eine große Sorge ist aktuell auch die abnehmende Liquidität, die in Folge der weiteren geldpolitischen Normalisierung in den USA erwartet wird. Somit zählt der Kursverlauf des Jahres 2018 bislang zu den vier negativsten Jahren seit Beginn der Aufzeichnungen. Unserer Meinung nach zu Unrecht, da die aktuelle Konjunkturlage keinesfalls mit der anderer Extremjahre, wie der Asienkrise und dem Zahlungsausfalls Russlands 1998, dem Platzen der Technologieblase 2001 oder gar der globalen Finanzmarktkrise 2008 vergleichbar ist.


 


Wie gehen Sie mit dem Währungsrisiko um? Sichern Sie dagegen ab?


Um die attraktiven Ablaufrenditen von derzeit etwa 8 Prozent p.a. des Capitulum Weltzins-Invest Universal erreichen zu können, müssen wir das Fremdwährungsrisiko akzeptieren. Eine konstante Absicherung würde genau diesen Zinsvorteil wieder aufgeben. Die hohen Schwankungen einzelner Währungen versuchen wir durch die hohe Diversifikation über rund 70 verschiedene Währungen zu glätten. Wenn es uns dadurch gelingt, Währungsauf- und abwertungen auszugleichen, können wir den hohen laufenden Zins nahezu vollständig in die Wertentwicklung des Fonds transportieren.


 


Bei den Laufzeiten sind momentan jene zwischen 0 und einem Jahr mit etwas über 20 Prozent übergewichtet. Je länger die Laufzeiten werden, desto weniger Anleihen finden sich in der Gewichtung. Können Sie dazu etwas eingehen?


Um den Fonds gegen unnötige Risiken aus Zinsveränderungen zu schützen, erwerben wir eher kurzlaufende Anleihen, um die Duration zwischen zwei bis drei Jahren zu halten. Die Anleihefälligkeiten sind gestaffelt, so dass jeweils etwa 20 Prozent des Portfolios in den folgenden fünf Jahren fällig wird. Da der Anlageansatz nicht an einen Index gebunden ist, wird kein aktives Laufzeitenmanagement angewendet. Vor dem Hintergrund hoher Transaktionskosten ist ein aktives Management der Duration für uns nicht sinnvoll.


 


Als Rentenexperte waren die vergangenen Jahre wahrscheinlich weniger erfreulich als auf der Aktienseite. Mit Blick auf die Ankündigungen der EZB: Ab wann erwarten Sie wieder einen Aufschwung auf der Anleiheseite?


Zinszyklen sind historisch betrachtet sehr langlaufend. Nach mehr als 30 Jahren sinkender Zinsen wurde in den USA bereits vor zwei Jahren die Zinswende eingeläutet. Die EZB wird voraussichtlich erst in einem Jahr den ersten Zinserhöhungsschritt gehen. Aufgrund der global seit der Finanzmarktkrise massiv angestiegenen Verschuldungsrate wird der Zinserhöhungszyklus aber nur sehr behutsam und vom Ausmaß nur begrenzt verlaufen. Dies allerdings auch nur, wenn es die Konjunkturlage zulässt und keine Rezession durch die Notenbanken provoziert wird. Was für den Sparer dann als überfälliger „Aufschwung“ im Sinne steigender Zinsen aussieht, bedroht Anleiheinhaber aber mit Kursverlusten. In diesem Umfeld sollte man dann nur in kurze Laufzeiten investieren.    


 


Insgesamt verwaltet Ihre Fondsboutique bereits mehr als 350 Mio. Euro. Welche weiteren Produkte für Anleger haben Sie bereits und was ist in Zukunft noch geplant, wenn die Mittel weiter so erfreulich fließen?


Wir wollen auch in unseren Produkten noch nachhaltiger agieren. Mit institutionellen Anlegern haben wir deshalb jüngst den Capitulum Sustainable Local Currency Bond Fonds UI (ISIN: DE000A2JF7Y2) aufgelegt. Für den eher konservativen Anleger, der keine Währungsrisiken eingehen möchte, bieten wir mit dem Capitulum Rentenstrategie optimiert Universal (ISIN: DE000A2H7NT3) einen vollständig gegen Zins- und Währungsrisiken abgesicherten Fonds an.


 


 


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