FondsDISCOUNT.at hat Investmentexperten und Portfoliomanager befragt, wie sie die Situation bewerten und was sie Anlegern raten. Antworten dazu liefern:

Klaus Kaldemorgen, Portfoliomanager bei der DWS, Max Otte / Börsenexperte, Stefan Riße / Kapitalmarktstratege bei Acatis, Michael Kopf / Vertriebsleiter Patriarch Multi-Manager GmbH


Wie schätzen Sie die Corona-Krise ein? Erkennen Sie mehr Unheil oder mehr Chance am Horizont?


Klaus Kaldemorgen: Wir sehen in diesen Tagen einen in diesem Ausmaß historischen Anstieg der Staatsverschuldung. Die Zahlen sind fließend, bisher schätzt man die Maßnahmen auf ungefähr vier Prozent des BSP, Tendenz steigend. Diese Maßnahmen dienen im wesentlichen Transfers und kaufen Zeit, um Unternehmen, Selbständige und Arbeitnehmer über die Runden zu bringen. Die Steuereinnahmen werden dramatisch sinken, so dass die Auswirkungen auf die Staatsverschuldung gigantisch sein werden. Ein Großteil dieses Effektes wird durch die Notenbanken monetarisiert. Dies wird den Kapitalmarkt dauerhaft verändern. Denkbar ist ein starker Anstieg der Inflationsrate in der Zukunft. Die Notenbanken können aufgrund der Schuldenlawine auf absehbare Zeit den kurzfristigen Zins nicht erhöhen können. Sollte die Inflationsrate durch ein zeitlich absehbares Hochfahren der Produktion in Grenzen gehalten werden, könnte sich die geballte Liquidität aber auch auf Vermögenswerte verteilen. Vermutlich wird man eine Kombination aus beidem sehen. Begünstigt wären dann Aktien, (Wohn-) Immobilien und Gold. Leidtragende währen vor allem länger laufende Anleihen und Credit. Die Coronakrise ist ein externer Schock, der temporär sein wird, der jedoch ernste wirtschaftliche Folgen haben wird. So werden etliche Unternehmen staatliche Hilfe benötigen. Wir befinden uns in einer Situation, die wir so noch nicht erlebt haben. Die Entwicklung der vergangenen Tage hat alle Marktteilnehmer überrascht. Die Wirtschaft ist praktisch zum Erliegen gekommen. Der weitere Verlauf an den Märkten hängt nicht zuletzt vom Verlauf des Coronavirus ab. Neben den Risiken sollte man aber die Anlagechancen nicht übersehen, die sich dieser Tage durchaus bieten.


Max Otte: Die Gefahren einer negativen Abwärtsspirale sind real. Nach anfänglich ruhiger Behandlung des Themas in den Medien wurde die Berichterstattung immer aufgeregter. Auch Unternehmen und Politik reagierten. All dies hat natürlich Auswirkungen auf die Weltwirtschaft. Die OECD geht von einer Halbierung der Wachstumsrate für die Weltwirtschaft aus – von 2,9 auf unter 1,5 Prozent, wenn es nicht gelingen sollte, die Epidemie einzudämmen. Europa und Deutschland würden dann unweigerlich in eine Rezession fallen. Und diese könnte die Weltwirtschaft dann endgültig in eine Depression stürzen.


Stefan Riße: Als Value-Investoren sehen wir in Rückschlägen am Finanzmarkt viel mehr eine Chance als ein Unheil. Sie geben uns die Möglichkeit, Aktien in unser Portfolio aufzunehmen, die wir schon lange unter Beobachtung haben, die für uns aber immer zu teuer waren, um sie zu kaufen. Denn es gibt viele tolle Firmen - sie waren in den vergangenen Jahren aber eben auch immer hoch bewertet. Das ist jetzt anders. 


Michael Kopf: Die weltweiten Leitindizes reagierten in den letzten Tagen mit hohen Verlusten und ein paar wenigen kurzen - wohl eher technisch getriebenen - Gegenbewegungen. Nachdem bisher niemand die echten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen greifen, die genauen Einschnitte in die Unternehmen und die Wirtschaftsleistung beziffern kann, bleiben viele Punkte für eine realistische Markteinschätzung aktuell reine Spekulation. Dies wird wahrscheinlich auch in den kommenden Tagen, vielleicht auch Wochen oder Monaten, zu erratischen Marktbewegungen führen. Auch die Krisenwährung Gold steht eher unter Druck, da aktuell viele Marktteilnehmer Cash halten bzw. Bestände in Cash aufbauen wollen. 


 


Wie sollten sich aktuell die Anleger verhalten?


Klaus Kaldemorgen: Anleger, die nicht in finanziellen Engpässen sind und das angelegte Geld zum jetzigen Zeitpunkt nicht zwingend benötigen, sollten Ruhe bewahren. Auf diesen Kursniveaus zu verkaufen, wäre kontraproduktiv. Sie sollten die Situation aussitzen, sich um ihre Gesundheit kümmern und die staatlich verordneten Sicherheitsmaßnamen befolgen. Epidemien sind auch an den Kapitalmärkten nicht Neues. Auch diese Krise wird ein Ende haben und danach wird es wieder aufwärtsgehen. Bis dahin heißt es einige Monate die Zähne zusammenbeißen.


Stefan Riße: Sehr viele besorgte Anleger haben wir nicht. Viele unserer Anleger sind seit vielen Jahren bei uns investiert und kennen unseren Anlagestil. Sie haben auch schon andere größere Rückschläge erlebt wie Ende 2018 oder 2011 (Griechenland) und natürlich auch 2008 (Subprime). Sie wissen, dass wir ruhig agieren und die Chancen nutzen, die sich bieten, und dass sich diese Strategie langfristig auszahlt. Außerdem freuen sich viele darüber, dass wir in Krisen wie jetzt weniger verlieren als die Benchmark. 


Michael Kopf: Grundsätzlich – wie immer – nicht alles auf eine Karte setzen, sondern schwache Tage für gezielte Investitionen in bewiesenermaßen erfolgreiche Aktienfonds nutzen. Alternativ kann natürlich auch ein Automatismus, beispielsweise die Investitionssumme in mehrere monatlichen Tranchen zu teilen und ratierlich anzusparen, angestoßen werden. Wichtig ist aber, solche Phasen unter längerfristigen Gesichtspunkten immer für Investitionen zu nutzen! 


 


Welche konkreten Maßnahmen haben Sie für Ihren Fonds getroffen?


DWS Concept Kaldemorgen LC (ISIN: LU0599946893)


Klaus Kaldemorgen: In der jüngsten Zeit haben wir beispielsweise sehr viele langlaufende US-Staatsanleihen verkauft und haben ausreichend Liquidität geschaffen. Gold hat zwar stark nachgegeben, ich habe aber aktuell nicht vor, es zu verkaufen. Denn der Rückgang des Goldpreises ist vorübergehend, wie die Krise selbst. Langfristig wird Gold wieder eine gute Alternative sein zu vielen anderen Assetklassen.


Max Otte Vermögensbildungsfonds (ISIN: DE000A1J3AM3)


Max Otte: Wir investieren weiter mit Augenmaß. Einen Teil unserer Liquidität in den Fonds haben wir bereits eingesetzt. Aktuell suchen wir zum Beispiel bei Unternehmen der besonders gebeutelten Event- und Tourismusbranche. Auch hier gibt es Unternehmen mit gutem Geschäftsmodell, solider Bilanz und einem starken Cashflow, die von der Krise mittelfristigeher profitieren werden, weil Wettbewerber aus dem Markt  ausscheiden.


ACATIS GANÉ Value Event (ISIN: DE000A0X7541)


Stefan Riße: In unserem Flaggschiff-Mischfonds haben wir Positionen in Aktien wie Amazon und Alphabet aufgestockt und deutsche Qualitätstitel wie SAP ins Portfolio aufgenommen. Amazon dürfte von der derzeit eingeschränkten Mobilität sogar profitieren, und auch die Geschäftsmodelle der anderen Unternehmen werden weiterhin wachsen. Auch diese Krise wird vorüber gehen. 


Patriarch Classic TSI (ISIN: LU0967738971)


Michael Kopf: Der Gewinner des Deutschen und Österreichischen Fondsaward 2020 setzt auf sein bewährtes, rein technisch getriebenes Fondsmanagement, welches auf dem „Trend System Indikator (TSI)“, einem auf der relativen Stärke nach Levy (RSL) basierenden Aktienauswahl- und halteverfahren basiert und fokussiert ausschließlich auf trendstarke Aktien aus dem HDAX und dem Nasdaq 100, die je hälftig das Portfolio bestücken. In Krisenzeiten zeigt sich ein gutes Management bzw. ein klares Portfolio-Konzept!