Christoph Karl ist stellvertretender Chefredakteur beim Börsenfachmagazin Smart Investor, welches seit kurzem zur wallstreet:online-Gruppe gehört. Ein Probe-Abo können Sie hier bestellen: Smart Investor


FondsDISCOUNT.at: Zum 24. September 2018 änderte sich die Zusammensetzung der deutschen Börsenindizes Dax, MDax, TecDax und SDax. Inwiefern wurde die Indexwelt damit durcheinandergewirbelt?


Christoph Karl: Die neue Zusammenstellung dürfte den Indizes vor allem eines gebracht haben: Eine höhere Volatilität. Die immer stärkere Ausrichtung der Anleger an passiven Strategien mittels ETFs führt zu einem hohen Anpassungsdruck bei derartigen Umstellungen. ETFs müssen Aktien kaufen oder verkaufen, ob sie wollen oder nicht. Für die Anleger bedeutet eine Umstellung in dieser Größenordnung aber, dass sich der Fonds möglicherweise genau zum falschen Zeitpunkt von einigen Titeln trennen muss, die zuvor besonders schlecht gelaufen sind, oder Aktie kaufen muss, die davor durch eine hohe Outperformance aufgefallen sind. 


Was ist Ihre Bilanz nach etwa einem Jahr, seitdem die Regelungen in Kraft sind: Welche Folgen haben zum Beispiel die Titelerweiterungen im MDax und SDax und wie hat sich zum Beispiel der Dax-Neuling Wirecard bislang entwickelt?


Der Fall von Wirecard belegt das obige Argument. Zwar ist es konsequent, dass auch großkapitalisierte Tech-Unternehmen in den Dax oder den MDax aufgenommen werden müssen, wenn sie eine gewisse Größe erreicht haben. Mit Wirecard wurde Anlegern in Dax-ETFs aber ein ganz schönes „Ei“ gelegt. Das Unternehmen ist zwar ein absoluter Wachstumswert, wird aber regelmäßig durch neue Enthüllungen über angeblich unsaubere Bilanzierungspraktiken erschüttert – was meist mit satten Tagesschwankungen einhergeht. Solange dies so bleibt, dürfte die Wirecard-Aktie die Volatilität im deutschen Leitindex deutlich erhöhen. Da die Aktie im September 2018 nahe ihres Höchststandes bei 190 EUR notierte, hat sie passiven Anleger bis heute – der Kurs steht aktuell bei 144 Euro – einige Verluste eingebracht.


Wer die Indizes über passive ETFs nachkauft, war von den Änderungen besonders betroffen. Wie haben sich die Indizes bislang jeweils geschlagen und inwiefern konnten Anleger von den Umstellungen profitieren?


Das ist schwierig zu sagen, denn man bräuchte dafür die Daten der Indizes in ihrer ehemaligen Zusammensetzung und der jeweils aktuellen Gewichtung der Einzeltitel. Die Umstellung dürfte aber einen Zweck erfüllen: Die Indizes werden repräsentativer für den Gesamtmarkt. Da Technologie und Tech-Unternehmen eine immer größere Bedeutung für die Börsen und die Wirtschaft insgesamt bekommen, sollten diese auch in den Indizes vertreten sein.


Zum Abschluss würde uns noch ein Blick in Ihre Glaskugel interessieren: Was dürfen Anleger im Börsen-Herbst 2019 erwarten?


Sollte es die typische Saisonalität geben, könnte der Oktober volatil bleiben. Gegen Jahresende könnte es dann die häufig beobachtbare Jahresendrally geben.


Herr Karl, vielen Dank für Ihre Einschätzungen!


 


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