Infrastrukturwerte können in turbulenten Zeiten eigentlich ihre Stärke ausspielen und gelten als stabil. Ob Verkehrs- und Nachrichtenübermittlung, Energie- oder Wasserversorgung – auch in Krisenzeiten möchte der Mensch versorgt und informiert bleiben. Doch jede Krise hat ihre Besonderheiten, sodass es auch Unternehmen gibt, die von den Auswirkungen der Pandemie im Bereich Infrastruktur hart getroffen wurden, zum Beispiel Pipeline-Gesellschaften und Betreiber von Verkehrsinfrastruktur. Dieser Umstand sollte aber nicht von einer langfristigen Sichtweise ablenken: „Die börsennotierte Infrastruktur profitiert auch weiterhin von starken thematischen Treibern wie erneuerbare Energien, Urbanisierung und digitale Konnektivität – langfristige Trends, die wahrscheinlich noch viele Jahrzehnte anhalten werden“, meint Alex Araujo, Portfoliomanager des M&G Global Listed Infrastructure Fund zu FondsDISCOUNT.at. Es sei wichtig, dass man die langfristige Perspektive, die die Anlageklasse benötigt, nicht aus den Augen verliere. „Unsere Fundamentalanalyse konzentriert sich weiterhin auf die langfristigen Wachstumschancen, die über die defensiven Merkmale der Anlageklasse hinausgehen“, so Araujo.


Bevölkerungswachstum als Treiber für Infrastrukturwerte


Rund 7,5 Milliarden Menschen leben aktuell auf der Erde. Im Jahr 2050 könnten es nach Schätzungen der Vereinten Nationen bereits 9,8 Milliarden sein. Das stellt viele Länder vor enorme Herausforderungen. Die globale Energienachfrage, so die weiteren Schätzungen, werde sich bis 2040 um 40 Prozent erhöhen. Diese werde außer aus China und Indien vor allem aus den Schwellenländern Südostasiens, Afrikas und des Nahen Ostens kommen.


Für das Handelsblatt ist klar, „dass der Bedarf an Infrastrukturinvestitionen enorm ist.“ Das Branchenmagazin verweist auf einen geschätzten Investitionsbedarf bis 2030 von 49 Billionen Dollar und beruft sich auf Angaben von HQ Trust. In den vergangenen Jahren seien Infrastrukturfonds im Volumen von 70 bis 90 Milliarden Dollar jährlich aufgelegt worden. Das entspräche lediglich 2,3 Prozent des jährlichen Infrastrukturbedarfs. Bisher sei zu wenig in den Klimaschutz investiert worden, so das Handelsblatt. Investitionen in erneuerbare Energien, Akku-Speichertechnologie und Übertragungsinfrastruktur seien nötig, um das ehrgeizige globale Ziel der Klimaneutralität ab 2050 zu erreichen. Es gäbe aber auch schwierige Bereiche wie den Bau und das verarbeitende Gewerbe. Hier bestünde oftmals die Gefahr, dass Infrastrukturprojekte angesichts von Terminüberschreitungen und steigenden Kosten nicht termingerecht erfolgen könnten.


Kommunikationsinfrastruktur als Krisengewinner


Die Bedeutung der digitalen Infrastruktur wurde in den letzten Monaten sehr deutlich. So führte die Ausbreitung von COVID-19 weltweit zu einschränkenden Maßnahmen. „Millionen von Menschen waren gezwungen, remote zu arbeiten und von zu Hause aus zu kommunizieren,“ so Alex Araujo im Bild links). Der Bereich der Kommunikationsinfrastruktur hätte sich dabei als robust erwiesen. „Das massenhafte Homeworking sowie die Bedeutung der Konnektivität durch Datenzentren, Breitbandnetzwerke und Kommunikationstürme hat den Unternehmen aus dem Bereich in die Hände gespielt“, so der Portfoliomanager weiter. Die Relevanz dieses Bereichs könne zudem noch weiter zu nehmen: „Video-Streaming, Bankgeschäfte oder Einkäufe – je häufiger wir mobile Endgeräte dafür verwenden, desto mehr Mobilfunkmasten und Rechenzentren werden für die Datenübertragung benötigt“, meint Araujo in seinem monatlichen Fondsbericht.


Daneben hätte auch die soziale Infrastruktur, einschließlich Krankenhäuser, den extremen Marktbedingungen der vergangenen Wochen standgehalten.


Infrastrukturfonds für langfristige Geldanlagen


M&G Global Listed Infrastructure Fund (ISIN: LU1665237613)


Das Managementteam um Alex Araujo und John Weavers investiert mindestens 80 Prozent des Vermögens weltweit in Aktien von Infrastruktur-, Investment- und Immobilieninvestmentgesellschaften beliebiger Größe, vorwiegend in den USA und in Kanada. Neben Investitionen in klassische Bereiche wie Versorgungsunternehmen, Energie und Transport liegt der Fokus auch auf die soziale und digitale Infrastruktur. Weavers und Araujo schließen Unternehmen aus, die mehr als 30 Prozent ihres Umsatzes aus Strom von Kohle- und Kernkraftwerken erzielen. Trotz einer Buy-and-Hold-Strategie hat das Management „die Möglichkeiten der volatilen Märkte der vergangenen Wochen genutzt“ und Positionen im Bereich Versorgungsunternehmen aufgestockt. Zu den Schwergewichten im Portfolio des im Jahr 2017 aufgelegten Fonds gehören der italienische Energiekonzern Enel, der Öl- und Gasspezialist Prairiesky Royality sowie der französische Baukonzern Vincy.


Ve-RI Listed Infrastructure R (ISIN: DE0009763342)


Ve-RI Listed Infrastructure ist ein fokussierter Aktienfonds aus dem Jahr 2001. Portfoliomanager Christian Riemann, seit 2012 in der Verantwortung, investiert in erster Linie in nordamerikanische Kern-Infrastrukturunternehmen, die überwiegend Infrastrukturnetzwerke bereitstellen oder betreiben. Riemann selektiert rein systematisch und verzichtet auf marktübliche Prognosen wie Indexstände und Währungsentwicklungen. Alle Positionen sind gleichgewichtet und werden regelmäßig auf ihr Ursprungsgewicht zurückgeführt. Dazu gehören beispielsweise das kalifornische Infrastrukturunternehmen Sempra Energy, der in Paris ansässige Wasser- und Energieversorger Veolia Environnement sowie der italienische Wasserversorger Acea.


BZ Fine Funds - BZ Fine Infra A (ISIN: LU0574144993)


Portfoliomanager Daniel Richner investiert in Gesellschaften im Bereich Infrastruktur und Versorgung, vor allem in der Schweiz. Dazu gehören Unternehmen der Energie- und Wasserversorgung, Entsorgung, Kommunikation, Autobahnen, Flug- und Seehäfen, Bahnunternehmen oder Unternehmen, welche in diesen Bereichen Zulieferdienste erbringen. Richner kann in Aktien, aber auch in Renten, Geldmarktinstrumente, Zertifikate, andere strukturierte Produkte und Festgelder investieren. Größte Position im Portfolio des im Jahr 2011aufgelegten Fonds ist der Schweizer Baustoffhersteller LafargeHolcim.


 


Wertentwicklung (Drei-Jahreszeitraum)


 



 


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