FondsDISCOUNT.at: Herr Weiss, vergangenen Herbst startete Ihr Aktienfonds „CCA European Opportunities UI“ (ISIN: DE000A2DMV08), mit dem Sie Anlegern Zugang zu einer Private-Equity-Strategie verschaffen, die sich auf börsennotierte Zielunternehmen konzentriert.  Was macht diesen Markt so attraktiv?
Markus Weiss: Der Private-Equity-Anlagestil als solcher, hat sich über die letzten drei Jahrzehnte als äußerst erfolgreich herausgestellt. Sowohl in Europa, als auch den USA haben Private-Equity-Portfolien die klassischen Börsenindizes signifikant geschlagen. Dafür gibt es systematische Gründe wie z.B. die Art, nach der Unternehmen selektiert werden, die im Vergleich zu klassischen Aktienfonds sehr lange Investitionsdauer, aber auch der intelligente Einsatz von Fremdkapital um schneller zu wachsen und die Eigenkapital-Rendite zu steigern. Es ist nur eine logische Konsequenz, dass sich eine erfolgreiche Investitionsphilosophie ausbreitet. In unserem Fall investieren wir nicht mehr in privat gehaltene Unternehmen, sondern in kleinere börsennotierte Gesellschaften.


Wie kam es zur Fokussierung Ihrer Gesellschaft auf Private Equity?
Die beiden Gründer von Conduction Capital, Alex Nieberding und Felix Eisel, haben nahezu ihre ganze Karriere für Private-Equity-Gesellschaften gearbeitet. Dabei haben sie komplette Unternehmen aufgekauft, über Jahre hinweg im Aufsichtsrat und zusammen mit den Management-Teams weiterentwickelt und dann wieder komplett weiterverkauft, oder sogar an die Börse gebracht. (Anm. zum Foto: von links nach rechts Felix Eisel, Alex Nieberding und Markus Weiss)


Private-Equity-Investments gerieten vor etwa 13 Jahren in die Diskussion, als der damalige SPD-Vorsitzende Franz Müntefering Beteiligungsgesellschaften als Heuschrecken betitelte. Was würden Sie den Kritikern der Branche entgegnen oder anders gefragt: Welche positiven Effekte können Private-Equity-Gesellschaften für die finanzierten Unternehmen bewirken?
Unternehmen, die in Private Equity Hand sind, wachsen überdurchschnittlich schnell und schaffen damit auch überdurchschnittlich viele Arbeitsplätze. Damit erfüllt Private Equity auch durchaus eine gesellschaftliche Rolle. Durch die Transparenz, die Private-Equity-Firmen bei den Zielunternehmen bezüglich Profitabilität und Wachstumsperspektiven schaffen, sind Unternehmen auch in der Lage sehr früh mögliche Problemfelder zu erkennen. Damit kann Zeit gewonnen werden um diese rechtzeitig zu bewältigen.


Mit Ihrem Fonds fokussieren Sie auf Small- und Mid-Cap-Werte mit Marktkapitalisierungen unter acht Milliarden Euro. Könnten Sie Ihren Ansatz kurz für uns skizzieren: Wie sieht Ihre Anlagestrategie aus und nach welchen Kriterien wählen Sie die Portfoliounternehmen aus?
Wir investieren in ein sehr konzentriertes Portfolio von Firmen zwischen 100 Millionen Euro und acht Milliarden Euro (im Schnitt ca. 1.5 Milliarden Euro). Dabei ist vor der Investitionsentscheidung ein monatelanger Analyseprozesse notwendig, bei dem wir uns aus eher „unklassischen“ Quellen wie Industrieexperten oder Mitarbeitern von Konkurrenzunternehmen eine Informationsgrundlage erstellen. Wir versuchen uns ganz aktiv von Aktienresearch und anderen Fondsmanagern fernzuhalten um unseren unabhängigen Ansatz zu bewahren. Zielunternehmen sind dabei typischerweise robust und manchmal von eher langweiligerer Natur, verfügen aber aus sich selbst heraus über die Möglichkeit die Cash-Flows über die nächsten Jahre signifikant zu steigern. Dazu zählen Branchenkonsolidierungen, Kostenoptimierungsprogramme oder auch Restrukturierungen. Jedes unserer Portfoliounternehmen verfügt also über einen eigenen Wertsteigerungspfad, der über die nächsten zwei bis fünf Jahre aktiv beschritten werden muss. Teilweise arbeiten wir konstruktiv mit den Managementteams zusammen um Impulse in die richtige Richtung zu setzen. Wir berechnen immer die private Marktbewertung eines Geschäfts, das heißt wie viel ein Käufer – sei es ein Wettbewerber oder ein Private-Equity-Fonds – bezahlen würde, um das komplette Unternehmen zu kaufen und von der Börse zu nehmen.


Wie viele Titel halten Sie aktuell im Portfolio und könnten Sie uns ein, zwei Beispiele nennen?
Wir halten aktuell 21 Positionen. Unsere größte Position mit acht Prozent ist die holländische Firma Intertrust. Die Firma kümmert sich um die Buchhaltung und steuerliche Administrierung von Firmenhüllen und rechtlichen Standorten, die von Investment Gesellschaften oder großen internationalen Konzernen für ihr Geschäft benötigt werden. Ein sehr abstraktes Geschäftsmodell, was von uns ganz besonders gut eingeschätzt werden kann, weil wir früher selbst Private Equity Kunde von Intertrust Wettbewerbern waren. Selektiv setzen wir auch auf fallende Kurse bei Unternehmen. Nicht um Marktrisiko aus dem Fonds zu nehmen, sondern um ganz gezielt Alpha zu generieren. Im Fonds haben wir aktuell eine Short Position: Gerry Weber, ist aus unserer Sicht noch zu hoch bewertet und hat nicht die notwendigen Maßnahmen gefunden, um sich gegen Online-Wettbewerber zu verteidigen. Ein zweijähriges Restrukturierungsprogramm hatte keinen Erfolg gezeigt und die Verschuldung wird immer höher.


An welchen Anlegertyp richten Sie sich mit Ihrem Fonds, welche Risikoneigung und welchen Anlagehorizont sollte man mitbringen?
Der Anlagehorizont soll langfristig sein. So wie wir noch zu Private-Equity-Zeiten über zwei bis fünf Jahre versuchten Unternehmen weiterzuentwickeln, brauchen wir auch heute stabile, besonnene Anleger. Gerade bei einem hochkonzentrierten Portfolio, bei dem auch mal in Restrukturierungsfälle investiert wird, darf man nicht auf Quartalsbasis den Erfolg bemessen. Typischerweise wird es in Phasen hoher Volatilität richtig spannend für uns, wenn wir relativ schnell zu günstigen Preisen Anteile an Zielunternehmen aufkaufen können.


Herr Weiss, vielen Dank für dieses Interview!


Tipp: Der „CCA European Opportunities UI“ (ISIN: DE000A2DMV08) ist über FondsDISCOUNT.at ohne Ausgabeaufschlag erhältlich.

Auf dem Foto abgebildet sind die Private-Equity-Experten von Conduction Capital Advisors. Von links nach rechts: Felix Eisel, Alex Nieberding und Markus Weiss