FondsDISCOUNT.at: Wie sieht Ihr Filterprozess für den Berenberg Sustainable World Equities (ISIN: LU1878855581) zur Nachhaltigkeit genau aus, wie streng legen Sie welche Maßstäbe an?


Bernd Deeken: Anders als andere Fonds fokussieren wir uns bei der Auswahl unserer Titel nicht nur auf klassische Ausschlusskriterien oder bestimmte Sektor- und Länderrestriktionen. Eben so wenig treffen wir unsere Entscheidungen ausschließlich auf der Basis von ESG-Ratings. Vielmehr ist es für uns wichtig, strukturelle nachhaltige Wachstumstreiber zu identifizieren und in Unternehmen zu investierten, die mit ihren Produkten und Dienstleistungen einen Mehrwert für Umwelt und Gesellschaft darstellen Qualitätsunternehmen mit beständiger Profitabilität stehen dabei im Fokus. Neben einer quantitativen und qualitativen ESG-Analyse ist der aktive Dialog mit den Unternehmen äußerst wichtig.  


Aktuell läuft ja weltweit ein großer Stresstest für Aktien. Können Sie ein asymmetrisches Risikoprofil aufgrund der nachhaltigen Ausrichtung des Fonds bestätigen?


Der große Vorteil unseres Ansatzes ist, dass die nachhaltigen Wachstumstrends wie der Klimawandel oder auch die demographischen Herausforderungen, von denen unsere Unternehmen profitieren, extrem langfristig sind. Entsprechend werden Investitionen trotz zyklischer Schwankungen nicht ausgesetzt. Auf der anderen Seite sind Investoren aus verschiedenen Gründen zunehmend gezwungen, immer nachhaltiger zu investieren, was langfristig Aktieninvestments in diesem Segment unterstützt.


Gibt es auch Aktien im Portfolio, die von der Corona-Situation profitieren, Stichwort stay-at-home-stocks?


Wir sehen nicht nur bei stay-at-home-stocks Chancen. Auch Medizintechnik-Firmen wie Becton Dickinson, die Krankenhäuser mit in diesen Zeiten äußert Notwendigem zur Behandlung und Pflege von Patienten beliefern, sind interessant. Zusätzlich profitieren auch Anbieter von energieeffizienten und leistungsstarken Datenzentren wie Equinix. Denn viele Unternehmen schicken ihre Mitarbeiter aktuelle ins Home- aus. Dieser Trend sollte auch nach Covid-19 nicht aufhören.


Sie haben mehrere ESG-Ziele für den Fonds definiert, die sich an die Sustainable Development Goals (SDGs) der UN anlehnen. Ganz konkret: Wie machen Ihre drei größten Positionen Microsoft, Alphabet und AliBaba die Welt sozialer und nachhaltiger? Und was macht das Trio besser als andere Tech-Unternehmen?


Alphabet, Alibaba und Microsoft sind Unternehmen, die sich aktiv für nachhaltiges Wachstum und Innovation einsetzen. Alphabet ist der größte Investor weltweit in erneuerbare Energien und ermöglicht durch gezielte Informationssuche Wissen für breite Bevölkerungsschichten zugänglich zu machen. Zusätzlich gibt Alphabet jährlich Milliarden in der Forschung für selbstfahrende Autos oder Gesundheitsforschung aus. Alibaba wiederum trägt beispielsweise durch den Service Alipay zur finanziellen Inklusion bei, denn es ist die führende Micro-Lending-Plattform in China. Außerdem werden gezielt Klein- und Kleinstunternehmen mit Schulungen gefördert, damit diese unabhängig von deren Standort, einen weitaus größeren Markt durch die Alibaba-Plattform bedienen zu können. Bis 2036 will Alibaba somit helfen mehr als 100 Millionen Jobs zu kreieren. Schließlich erleichtert und flexibilisiert Microsoft durch seine Produkte  unser Zusammenleben und die Arbeitswelt. Zusätzlich tragen alle drei Unternehmen auch zu mehr Nachhaltigkeit bei. So betreibt Alphabet seine Datenzentren bereits kohlenstoffneutral und Microsoft plant bis zum Jahr 2050 sogar kohlenstoffnegativ zu sein. Außerdem sind alle drei Unternehmen für ständige Innovation und zukunftsorientierte Produkte bekannt.


Daneben finden sich auch hierzulande weniger bekannte Titel wie die HDFC Bank oder Ryman Healthcare im Fonds. Wie entdecken Sie solche Titel – und welche SDGs werden mit ihnen befördert?


Zunächst reduzieren wir unser Anlageuniversum im Zuge eines Negativscreenings, was moralisch verwerfliche Geschäftsmodelle wie z.B. Landminen ausschließt  Anschließend erfolgt dann die zusätzliche Ideengenerierung. Durch unser breites Research und der Kontakt zu Industrieexperten sowie durch den offenen Austausch innerhalb des Teams finden wir dann genau solche Unternehmen wie HDFC oder Ryman. Die indische Privatbank HDFC trägt mit ihrem digitalen Bezahlsystem und mit über 50% ihrer Filialen in ländlichen Gegenenden zur finanziellen Inklusion in Indien bei. Außerdem hat sich die Bank zur verantwortungsvollen Finanzierung verpflichtet. Konkret fördert das Investment in diese Aktie also beispielsweise den Kampf gegen Armut und unterstützt die nachhaltige Entwicklung von Städten und Gemeinden (SDG 1 und SDG11). Ryman Healthcare wiederum ist ein führender Betreiber von Einrichtungen für betreutes Wohnen in Neuseeland und Australien. In einer Gesellschaft, in der der Anteil der älter werdenden Bevölkerung rapide ansteigt, adressiert Ryman damit die Trends Demographie und Gesundheit. Ausgedrückt in SDGs trägt Ryman beispielsweise zu mehr Gesundheit und Wohlergehen bei (SDG3).


Sie mischen bewusst small- und mid-caps bei. Welche strategische Überlegung steht dahinter und bei welchen Titeln sehen Sie besonderes Potenzial?


Kleinere Unternehmen werden aufgrund ihrer geringeren Ressourcen im Bereich Nachhaltigkeitskommunikation von Ratingagenturen schlecht bewertet bzw. von vielen ESG-Investoren gemieden. Dies wiederum führt zu einem Portfolio aus Unternehmen, die ein langsameres Wachstum bzw. schwächere Profitabilität aufweisen. Durch unsere starke interne Small- und Mid Cap Expertise ist es uns jedoch möglich Geschäftsmodelle von kleineren Unternehmen, die häufig aufgrund ihrer innovativen Produkte und Services besonders nachhaltig sind, zu erkennen und deren höheres Potenzial zu nutzen. Carel als Anbieter von Steuerungssystemen für Kühlungssystemen in Supermärkten oder Datenzentren profiert weiterhin stark vom Trend zur höheren Energieeffizenz. Dies sollte durch die Einführung des Green-Deal der EU nochmals untermauert werden.


Auch wenn Vorhersagen derzeit noch schwieriger sind als ohnehin: Welche Rendite streben Sie mit dem Fonds p.a. durchschnittlich an?


Grundsätzlich verfolgen wir einen langfristig orientierten Ansatz. Beim Berenberg Sustainable World Equities handelt es sich um einen reinen Aktienfonds, das heißt dass in bestimmten Jahren natürlich auch größere Schwankungen möglich sind. Unser Ziel ist es aber, die Wertentwicklung des Vergleichsmaßstabs MSCI World Index über einen mittel- bis langfristigen Zeitraum zu übertreffen.


Vielen Dank für dieses Interview!