Die Münchner Anlagefirma P&R ist zahlungsunfähig, das Amtsgericht in der bayrischen Landeshauptstadt hat eine Insolvenzverwaltung für den Container-Spezialisten angeordnet. Betroffen seien die drei Firmen „P&R Container Vertriebs- und Verwaltungs-GmbH“, die „P&R Gebrauchtcontainer Vertriebs- und Verwaltungs-GmbH“ und „P&R Container Leasing GmbH“, meldet die Süddeutsche Zeitung mit Verweis auf das Amtsgericht. Vorläufiger Insolvenzverwalter ist der Münchner Rechtsanwalt Michael Jaffé mit einem Kanzleikollegen.


P&R ist seit mehr als vier Jahrzehnten im Geschäft und hat von rund 50.000 Anlegern insgesamt 3,5 Milliarden Euro eingesammelt. Um dieses Geld müssen die Anleger jetzt bangen. Es steht der Verdacht im Raum, dass P&R seinen Anlegern über eine lange Zeit zu hohe Mieten und zu hohe Rückkaufpreise für die Container gezahlt haben soll. Die Auszahlungen lagen offenbar über dem, was P&R durch die Vermietung der Container eingenommen haben soll. Die daraus resultierenden hohen Renditen konnten nur so lange bedient werden, so lange neue Anlegergelder flossen – wäre dies der Fall, würde es sich um ein klassisches Schneeballsystem handeln.


Der Containerverkauf bei P&R ging in den vergangenen Jahren deutlich zurück. Nach dem Rekordjahr 2013, in dem P&R mehr als eine Milliarde Euro neues Kapital einsammelte, stockte das Geschäft. 2017 gab es nur noch Neuabschlüsse für 442 Millionen Euro, was einem Einbruch von 40 Prozent zum Vorjahr entspricht. Laut Süddeutscher Zeitung, die sich auf einen ehemaligen Banker und Kenner von P&R bezieht, kam es von 2014 bis 2016 zu einer halben Milliarde Euro Verlust aus der Vermietung.


P&R wickelte sein operatives Container-Geschäft über die im schweizerischen Zug angesiedelte P&R Equipment & Finance Corp. ab. Mieten, Kauf- und Rückzahlungen zwischen Deutschland und den jeweiligen Container-Leasing-Gesellschaften wurden über diese Gesellschaft ausgeführt. 2016 hatte die Schweizer Gesellschaft rund 991,7 Millionen Euro Verpflichtungen gegenüber den deutschen P&R-Gesellschaften offen, wobei die jeweiligen Verträge u.a. bis 2022 laufen. Demgegenüber verfügte sie nur über Eigenkapital von rund 27 Millionen Euro. In den vergangenen Tagen blieben offenbar Geldzahlungen aus der Schweiz zu den deutschen P&R-Unternehmen aus, wie das Handelsblatt berichtet.


Dass P&R massiv in Schieflage geriet, zeichnete sich schon in den vergangenen Wochen ab. Zunächst erhielten die Anleger im Februar ein Schreiben, dass sich fällige Überweisungen verzögern würden. Kurz darauf wurde der Vertreib gestoppt. Bereits im Juni 2017 wurde P&R von Fach-Magazinen in die Mangel genommen, wie FondsDISCOUNT.at berichtete.